124 Energyfische im Rhein: Weltweit erstes Schwarmkraftwerk genehmigt

Schwarmkraftwerk im Rhein – Weltweit erstes Energyfish-Projekt genehmigt
Energiewende · Wasserkraft · Innovation

124 Energyfische im Rhein:
Weltweit erstes Schwarmkraftwerk genehmigt

Bei Sankt Goar in Rheinland-Pfalz entsteht ein Kraftwerk der besonderen Art – lautlos, unsichtbar und rund um die Uhr im Einsatz.

11. März 2026 Rheinland-Pfalz Energyminer GmbH · Ministerium für Klimaschutz RLP

Der Rhein fließt – und liefert dabei unaufhörlich Energie. Bislang blieb diese kinetische Kraft weitgehend ungenutzt, denn klassische Wasserkraft braucht Staudämme, Wehre und massive Eingriffe in Ökosysteme. Jetzt setzt ein Münchner Startup auf einen radikal anderen Ansatz: 124 schwimmende Mini-Turbinen, sogenannte Energyfische, sollen im Mittelrhein bei Sankt Goar CO₂-freien Strom erzeugen – geräuschlos, fischdurchlässig und rund um die Uhr.

Ein Weltpremiere am Mittelrhein

Am 9. März 2026 gab das rheinland-pfälzische Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität die offizielle Genehmigung für das weltweit erste Energyfish-Schwarmkraftwerk bekannt. In einem Nebenarm des Rheins bei Sankt Goar wird damit die global erste Anlage dieser Art realisiert. Entwickelt wurde die Technologie vom Münchner Unternehmen Energyminer – einem Startup, das die kinetische Kraft frei fließender Gewässer nutzbar machen will, ohne einen einzigen Spatenstich im Flussbett zu benötigen.

Bereits seit dem Sommer 2025 läuft eine Testphase im Rhein, in der technische Anpassungen vorgenommen und Strömungsdaten ausgewertet wurden. Drei Energyfische sind bereits in Betrieb. Jetzt folgt der Schritt in die Großanlage.

„Eine Art der Stromgewinnung, die auch bei Nacht und ohne Wind unabhängig von anderen Ländern, erneuerbar, klima- und umweltfreundlich Strom produziert – die gibt es mit den Schwarmkraftwerken jetzt.” Katrin Eder, Umwelt- und Klimaschutzministerin Rheinland-Pfalz
Technologie

Wie der Energyfish funktioniert

Das rund 2,8 mal 2,4 Meter große und 80 Kilogramm schwere Kraftwerk schwimmt in der Strömung und ist im Flussbett verankert. Seine Rotoren drehen sich durch die natürliche Fließbewegung des Flusses, ein Generator wandelt diese Bewegung in elektrische Energie um. Der Strom wird per Kabel an Land ins Netz eingespeist.

Mit Strömungsgeschwindigkeiten von 1,5 bis 2 Metern pro Sekunde bietet der Rhein in diesem Abschnitt die idealen Bedingungen für ein Schwarmkraftwerk. Im Optimalbetrieb erreicht ein einzelner Energyfish eine Leistung von 6 Kilowatt – wenig für sich genommen, aber im Schwarm von 124 Einheiten entsteht eine wirtschaftlich relevante Anlage.

  • Schwimmende Turbinen, im Flussbett verankert – kein Staudamm, kein Beton
  • Nahezu geräuschlos und kaum an der Oberfläche sichtbar
  • Wetterunabhängige Grundlaststromversorgung – Tag und Nacht, 365 Tage
  • Automatische Tauchreaktion bei Hochwasser und Eisgang
  • Treibgut passiert ungehindert – keine Blockadegefahr
  • Alle Komponenten vollständig rückbaubar
Zahlen & Fakten
124
Energyfische geplant
1,5 GWh
Strom pro Jahr (100 Turbinen)
460+
Haushalte versorgt
545 t
CO₂ eingespart pro Jahr
Ökologie

Segen für die Energiewende – und für Fische?

Der größte Einwand gegen klassische Wasserkraft ist stets die Beeinträchtigung der Gewässerökologie. Wanderfische wie Lachs, Barbe oder Nase scheitern an Staustufen und Turbinen. Beim Schwarmkraftwerk soll dieses Risiko deutlich geringer sein: Die Anlagen erzeugen keinen Aufstau und blockieren somit keine Wanderwege.

Die TU München hat in einer Studie die Fischverträglichkeit untersucht und festgestellt, dass die Energyfische die Fische weder verletzen noch ihr Verhalten negativ beeinflussen. Eine stoffliche Belastung und eine damit verbundene Verschlechterung des chemischen Zustands des Rheins ist durch das Kunststoffmaterial ebenfalls nicht zu erwarten.

Kosten auf Augenhöhe mit Wind und Solar

Die Kosten des Projekts liegen umgerechnet auf die Stromerzeugung etwa auf dem Niveau von Wind- und Solarkraftwerken. Der entscheidende Unterschied: Während Photovoltaik nachts pausiert und Windräder auf Böen angewiesen sind, liefert der Energyfish-Schwarm konstant und vorhersehbar – ein Merkmal, das im Stromnetz der Zukunft als Grundlast besonders wertvoll ist.

Ausblick

Ein Modell für Fließgewässer in ganz Europa?

Das Projekt gilt als Meilenstein für die Energiewende und als technologischer Beweis, dass moderne Wasserkraft auch unter den heutigen Umweltstandards wirtschaftlich realisierbar ist. Mit der Genehmigung in Sankt Goar geht Energyminer den Schritt vom Pilotprojekt zur skalierbaren, dezentralen Energieproduktion.

Europas Flüsse — Rhein, Donau, Main, Mosel — transportieren gigantische Energiemengen, die bislang fast ungenutzt ins Meer fließen. Wenn sich das Konzept aus Sankt Goar bewährt, könnte es Vorbild für Dutzende weiterer Standorte werden. Umweltministerin Eder bringt es auf den Punkt: „Ich hoffe, dass an geeigneten Stellen noch viele weitere Schwarmkraftwerke dem Beispiel aus Sankt Goar folgen werden, sodass möglichst viele Menschen von dieser effizienten Art der Stromgewinnung profitieren können.”

Ob der Energyfish tatsächlich zur dritten Säule der erneuerbaren Energien neben Wind und Solar wird, muss sich im Betrieb beweisen. Die Voraussetzungen — Technologie, Genehmigung, wissenschaftliche Absicherung — sind jedenfalls erstmals alle vorhanden. Der Schwarm schwimmt.

Tags: Wasserkraft Energiewende Schwarmkraftwerk Energyminer Sankt Goar Rheinland-Pfalz Erneuerbare Energien