Wer zum ersten Mal auf einem Festival ist, versteht manchmal nur Bahnhof. Warum ruft der ganze Platz nach einer Helga? Was ist der Unterschied zwischen Pogo und Circle Pit? Und was zur Hölle ist ein Schranz-Küken? Unser Festival-Lexikon erklärt die wichtigsten Wörter vom Acker, damit du mitreden kannst.
Rufe, die plötzlich alle kennen
- Helga: Ein Name, ein Ruf, und ein ganzes Gelände antwortet. Der wohl berühmteste Festival-Gag im deutschsprachigen Raum. Woher er stammt, wird unterschiedlich erzählt, eine gesicherte Ursprungsgeschichte gibt es nicht. Mehr zum Mythos: Helga.
- „Zugabe!“: Der gemeinsame Wunsch nach noch einem Song. Manchmal klappt es, manchmal sitzt die Band schon im Tourbus.
- Pommesgabel: Zeige- und kleiner Finger hoch: das Zeichen von Rock und Metal, auch „Metal Fork“ genannt. Vorsicht im Ausland, dort können Handzeichen etwas ganz anderes bedeuten.
Vor der Bühne: die Pit-Sprache
- Moshpit: Bereich vor der Bühne, in dem Fans energiegeladen tanzen, springen und sich anrempeln. Dazu gehört nur, wer sich wohlfühlt. Fällt jemand hin, wird geholfen.
- Pogo: Hüpfen, landen, wieder hoch. Mehr Federn als Choreografie.
- Circle Pit: Die Menge läuft im Kreis um eine freie Mitte. Wer nicht will, bleibt außen.
- Wall of Death: Die Menge teilt sich in zwei Hälften und läuft auf ein Zeichen aufeinander zu. Keine Mutprobe: Am Rand bleiben ist völlig okay, und die Ansagen des Festivals gelten.
- Crowdsurfing: Von vielen Händen über die Menge getragen werden. Du darfst klar Nein sagen, wenn jemand über dich hinweg will. Auf manchen Festivals verboten.
- Stagedive: Sprung von der Bühne in die Menge. Fängt die Menge nicht, stürzt die Person oder trifft andere. Oft verboten, bitte nicht nachmachen.
- Push Pit: Die schiebende, hüpfende Variante des Moshpits: viel Bewegung, keine gezielten Schläge.
- Two-Step: Rhythmischer Tanzschritt aus dem Hardcore, die Füße arbeiten abwechselnd vor und zurück.
- Windmilling: Große, kreisende Armbewegungen im Pit. Brauchen viel Platz und Rücksicht, damit niemand unfreiwillig zum Ziel wird.
- Headbang Pit: Kleiner Pulk, in dem vor allem gemeinsam der Kopf nickt. Weniger Rempeln, mehr Mähne.
- „Open up the pit!“: Der Zuruf von der Bühne, Platz zu machen, meist vor einem Circle Pit oder einer Wall of Death. Zuschauen ist immer erlaubt.

Pit-Knigge in fünf Sekunden: Nur mitmachen, wenn du dich sicher fühlst. Ellbogen unten, Grenzen achten, Gestürzten aufhelfen, bei Stress raus oder Hilfe holen. Und Stöpsel rein, denn direkt vor den Boxen ist es am lautesten. Warum das wichtig ist, steht in unserem Beitrag zum Gehörschutz auf Festivals.
Floor, Rave und Campingplatz
- Floor: Tanzfläche oder Bereich mit eigener Musik. Auf großen Dance-Festivals hat jeder Floor sein eigenes Genre und seine eigene kleine Welt.
- Schranz-Küken: Liebevoll-ironisch für junge oder neue Gäste auf dem Dancefloor, die man nicht zum Schranz drängen, sondern wachsen lassen soll. Ein Szene-Spruch, kein Abzeichen.
- B2B: „Back to Back“: Zwei oder mehr DJs teilen sich ein Set und wechseln sich ab.
- Build-up und Drop: Die Spannung steigt und steigt, dann setzt der Beat mit voller Wucht ein, und tausend Hände gehen hoch.
- Afterhour: Die Party nach dem offiziellen Programm. Ob sie erlaubt ist, regeln die Leute vor Ort.
- Bunkerfloor: Bei Nature One ganz wörtlich: Auf der früheren Raketenbasis Pydna liegen Floors in und an alten Bunkern.
- Running Order: Der Zeitplan mit Bühnen und Zeiten. Du studierst ihn gründlich und siehst doch den besten Act, weil du falsch abgebogen bist.
- Headliner: Der große Name ganz oben auf dem Plakat. Dein persönlicher Headliner kann trotzdem die Band auf der kleinen Bühne am Nachmittag sein.
- Clash: Zwei Lieblingsacts spielen zur selben Zeit. Die Crew stimmt ab oder teilt sich auf und vergleicht hinterher, wer es besser getroffen hat.
- Rail: Die Absperrung direkt vor der Bühne. „An der Rail“ heißt ganz vorne. Der Platz ist allerdings keine Besitzurkunde.
- Dixi-Gruß: Der stille, wissende Blick beim Verlassen der mobilen Toilette: „Wir haben beide überlebt.“ Händewaschen bleibt trotzdem Pflicht. Wer Dixis noch nie geliebt hat, mag vielleicht den Dixi-Klo als getarnter Floor-Eingang.

Festivalzustände: von verpeilt bis verschallert
Am Sonntag klingt der Wortschatz wie ein Zustandsbericht. Die folgenden Wörter sind Scherzwörter, am besten über dich selbst. Sie sagen nichts darüber, was mit jemandem wirklich los ist. Schlafmangel, Hitze und Hunger bringen auch Menschen neben die Spur, die gar nichts getrunken haben.
- Verpeilt: Der Plan war klar, bis du mit Zahnbürste vor dem falschen Zelt stehst.
- Verstrahlt: Der Blick hängt irgendwo zwischen Sternenhimmel und letzter Bassline.
- Verballert: Das ganze Guthaben am ersten Abend ausgegeben.
- Verschallert: Noch eine Runde weiter im Wortnebel: nicht mehr ganz sortiert.
- Drüber: Es war einfach alles zu viel, zu laut, zu schön.
- Durch: Die Batterie ist leer. Oft reichen ein ruhiger Platz, Wasser und eine Pause.
- Matschig im Kopf: Das Gehirn lädt noch. Erst Schatten, Wasser, Essen und Ruhe. Mehr dazu in den Tipps gegen den Festival-Kater.
- Im Tunnel: So tief im Set, dass Zeitgefühl und Gruppenchat verschwinden.
Wenn es ernst aussieht, ist Schluss mit Scherzen: Ist jemand kaum ansprechbar oder bricht zusammen, hol Sanitäter oder ruf 112.
Noch mehr Festival-Humor gibt es im Festival-Bullshit-Bingo und bei den 10 Arten von Festivalbesuchern. Welche Typen dir garantiert in jedem Camp begegnen, steht in unserem Festivalzoo.
Lust auf etwas ganz anderes als Wiese und Bühne? Dann schau dir unsere 6 besonderen Festivalformate an.
Quellen
- Eigene Zusammenstellung aus dem Festival-Guide Festivalklar (Ausgabe 2027) mit Begriffen aus Metal-, Hardcore- und Rave-Szene
- Wikipedia: Moshpit (Pit-Formen, Wall of Death, Circle Pit)
- Wikipedia: Nature One (Gelände der ehemaligen Raketenbasis Pydna)

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