Start » Nostalgie » Netzkultur 1998–2010 » DSL und Flatrate: Vom Stundenkontingent zur Pauschale

DSL und Flatrate: Vom Stundenkontingent zur Pauschale

Weißer Router mit Antennen, Leuchtdioden und gelbem Blitz
  • Lesezeit etwa 4 Min.
  • 5 Quellen am Ende

98 Mark im Monat sollte laut teltarif das Paket aus ISDN-Anschluss und T-DSL kosten, das die Telekom auf der CeBIT 1999 vorstellte. Wer es nutzen wollte, brauchte dazu einen T-Online-Tarif, und dann waren es 197 bis 247 Mark. Von dort bis zur Pauschale für alles dauerte es nur wenige Jahre. Diese Chronik zeigt Preise, Wartezeiten und Zahlen.

Davor: Pauschalen für Modem und ISDN

Schon vor DSL gab es Versuche mit Pauschaltarifen. Laut teltarif stellten Mobilcom und Tomorrow ihr 77-Mark-Angebot im Januar 1999 ein, nachdem es immer wieder Einwahlprobleme gegeben hatte. Mobilcom führte einen Tarif mit zunächst 6, dann 5 Pfennig pro Minute ein, T-Online zog nach. Im Sommer bot naked eye 100 Stunden für 100 Mark, im September verlangte Surf1 für eine Rund-um-die-Uhr-Pauschale zunächst 399 Mark. Im Oktober kamen Flatrates mit Zeitfenster, etwa von 21 bis 5 Uhr. Zum Jahresende kostete die Pauschale rund um die Uhr noch etwa 200 Mark.

1999: DSL kommt in die Großstädte

Ab April 1999 verkaufte die Telekom DSL zunächst an Unternehmen, ab Juli an Privatkunden (Schieb, 27.3.2009). Die ersten Privatanschlüsse gab es laut tarifcheck in ausgewählten Großstädten, vermarktet als T-DSL mit höchstens 768 kBit/s im Download und 128 kBit/s im Upload. Die Grundgebühr lag bei knapp 100 DM im Monat, dazu kam ein zeitabhängiges Kontingent von 100 bis 150 DM mit 50 oder 100 Stunden. Schieb nennt für das Paket aus Telefon, DSL und Surftarif rund 200 Mark im Monat. teltarif nennt für die CeBIT-Preise 197 Mark mit 50 Freistunden und 247 Mark mit 100 T-Online-Stunden.

Mit dem Klick lädst du das Video von YouTube (youtube-nocookie.com). Dabei werden Daten an Google übertragen. Direkt bei YouTube ansehen · Upload: Damals

2000: Pauschale und Warteschlange

Im Juni 2000 startete die Telekom laut teltarif ihre T-ISDN-XXL-Flatrate. T-DSL kostete 49 Mark im Monat plus 29,89 Mark Leitungsgebühr, die Nachfrage überstieg die Kapazität, und zum Jahresende warteten über 250.000 Kunden auf die Bearbeitung ihrer Bestellung. Gegen Ende des Jahres kam eine Vorleistungs-Flatrate für Internetanbieter, die für kleinere Anbieter aber noch teuer war. Wann genau die erste DSL-Flatrate startete, geben die Quellen unterschiedlich an: Schieb nennt Juni 2000 (ohne den Anbieter zu nennen), tarifcheck nennt „Ende 2000“ für eine Telekom-Flatrate zu 49 DM im Monat.

Mit dem Klick lädst du das Video von YouTube (youtube-nocookie.com). Dabei werden Daten an Google übertragen. Direkt bei YouTube ansehen · Upload: tvtreash

2002: Schneller, light und ein Streit um die Flatrate

Anfang 2002 kündigten Telekom und Arcor Anschlüsse mit bis zu 1500 kBit/s an, die bisherige Standardbandbreite lag bei 768 kBit/s. Im Mai startete die Telekom in einigen Städten, wenige Monate später wurde das Angebot bundesweit vermarktet. Im Juni 2002 beschloss die Regulierungsbehörde RegTP, dass die Telekom Wettbewerbern eine Vorleistungs-Flatrate anbieten muss; im Oktober gewann die Telekom vor Gericht, womit diese Flatrate zu den ursprünglichen Konditionen scheiterte. Im Dezember führte die Telekom offiziell DSL light mit höchstens 384 kBit/s ein, nachdem sie es monatelang dementiert hatte; der Preis war derselbe wie für 768 kBit/s.

Danach: Wettbewerb und Zahlen

Bis Juli 2004 bot nur die Telekom DSL an, ab dann durften andere Anbieter Telekom-Anschlüsse unter eigenem Namen vermarkten (tarifcheck). Im Herbst 2004 startete Arcor laut Schieb unter dem Motto „Operation Preis“ Komplettpakete mit festem Monatspreis. Ende 2005 gab es Komplettangebote mit Telefon und DSL ab 30 Euro, 2006 die ersten reinen DSL-Anschlüsse ohne Telefonanschluss.

Anschlüsse in Zahlen

2001
1,9 Mio. DSL-Anschlüsse (tarifcheck nach Statista und Bundesnetzagentur)
Ende 2002
rund 3,2 Mio. DSL-Anschlüsse bei der Telekom (tarifcheck), 3,0 Mio. Breitbandanschlüsse insgesamt (teltarif)
2005
10,5 Mio. DSL-Anschlüsse (tarifcheck)
Ende 2008
rund 24 Mio. Haushalte und Unternehmen mit Breitband, DSL mit über 90 Prozent Marktanteil (Schieb)

Die Quellen zählen unterschiedlich (DSL oder Breitband, Telekom oder alle Anbieter), deshalb sind die Werte nicht direkt vergleichbar.

Mit dem Klick lädst du das Video von YouTube (youtube-nocookie.com). Dabei werden Daten an Google übertragen. Direkt bei YouTube ansehen · Upload: FOCUS TV Reportage
Zeitleiste: April 1999 DSL für Firmen, Juli 1999 erste Privatkunden, Ende 1999 Flatrate für Modem und ISDN für rund 200 Mark, Juni 2000 T-ISDN XXL, Ende 2000 über 250.000 Wartende, 2001 1,9 Millionen DSL-Anschlüsse, Mai 2002 1500 kBit/s, Dezember 2002 DSL light, Juli 2004 andere Anbieter, 2005 10,5 Millionen DSL-Anschlüsse.
Alles auf einen Blick. Eigene Darstellung nach teltarif, tarifcheck und Schieb.

Weiterlesen: Damals vs. heute und Napster 1999.

Quellen (5) · Stand Oktober 2026

Dazu: die Beschreibungen der verlinkten Videos.

Unabhängige Fan-Seite: Alle genannten Marken, Sendungen, Spiele und Produkte gehören ihren Inhabern. Videos stammen von Dritten und laden erst nach einem Klick. Einige Links sind Affiliate-Links und direkt an der Stelle als Werbung gekennzeichnet.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar