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Winamp war ein kleiner MP3-Player, aber viele ließen ihn nicht so aussehen, wie er vom Hersteller kam. Sie suchten sich einen Skin: ein Spiel, einen Film, einen Musiker oder ein Stück Pixel Art. Dieser Beitrag erzählt, wie das Skin-System entstand, welche Systeme es gab, wie man eigene Skins baute und wo die alten Oberflächen heute noch leben.
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Inhalt (9)
Die Zeitleiste

Was ein Skin ist
Ein Skin tauscht die Oberfläche eines Programms aus, ohne die Funktionen zu ändern. Laut skinsforwinamp.com erschien Winamp 0.20a am 21. April 1997 als Freeware, im Mai 1997 folgte mit Version 0.92 die klassische grafische Oberfläche mit der grünen Spektrumanzeige. Die Skin-Engine kam mit Winamp 2.0 im September 1998; damit beginnt laut derselben Quelle die Skin-Ära. Die Skins waren laut Skinbase der größte kulturelle Einfluss des Players: Man durfte die Software zu seiner eigenen machen. Mehr zur Technik dahinter steht im Winamp-Beitrag.
Skin-Dateien tragen laut GIGA je nach System die Endung .wsz oder .wal. Eine Skin-Datei ist im Grunde ein ZIP-Archiv mit anderer Endung, wie XDA Developers beim Reparieren beschädigter Skins schreibt.
Drei Skin-Systeme
- Classic-Skins: Die einfachen Anpassungen aus der Winamp-2-Zeit (GIGA).
- Modern-Skins: Sie bestehen laut GIGA aus mehreren Fenstern und können sogar die Standard-Bedienelemente verändern.
- ClassicPro-Skins: Sie brauchen das Plug-in ClassicPro und bieten laut GIGA die größte Vielfalt. Ohne das Plug-in sehen sie kaputt aus.
Winamp 3 brachte 2002 ein neues Framework und ehrgeizigere Möglichkeiten, wirkte aber auf viele Nutzer schwerer und weniger zuverlässig als Winamp 2 (Skinbase); laut skinsforwinamp.com galt es als ressourcenhungrig und instabil. Winamp 5 verband im Dezember 2003 Version 2 und 3 („Winamp 2 + Winamp 3 = Winamp 5“) und unterstützte laut Skinbase klassische und moderne Skins.
Drei Beispiele: So konnte ein Skin aussehen
Echte Skins sind Werke einzelner Gestalter, und ihre Rechte lassen sich nicht einzeln klären. Deshalb zeige ich hier keine fremden Screenshots, sondern drei selbst gezeichnete Beispiele im Stil der Zeit: Anzeige mit Zeit, Spektrum, Lautstärke- und Balance-Regler, Suchleiste, Tasten sowie Schalter für Equalizer und Playlist. Echte Skins zum Ausprobieren findest du im Museum weiter unten.
Skins selbst bauen: Skinamp
Wer keinen passenden Skin fand, baute einen. Das Windows-Programm Skinamp von Sascha Hlusiak erzeugte laut Projektseite aus einer Bilddatei (BMP oder JPEG) einen klassischen Winamp-Skin, entweder als Ordner mit Bitmaps zur Nachbearbeitung oder als fertiges WSZ-Archiv. Es deckte Hauptfenster, Equalizer, Playlist, Mini-Browser und AVS ab, hatte einen Editor für nicht rechteckige Fenster und für eigene Mauszeiger und wurde von der Community in 33 Sprachen übersetzt.
Die Entwicklung begann Ende 1999, erste Versionen gab es Anfang 2000, und am 28. September 2000 wurde Skinamp im Nullsoft Developer Network erwähnt. Version 1.15 vom 28. August 2002 ist die letzte; laut Projektseite wurde das Programm mehr als 200.000 Mal heruntergeladen. Es entstand hauptsächlich in Borland Delphi 5 mit einer C++-Hilfsbibliothek und rund 12.000 Zeilen Code.
Von edel bis sinnlos: Die Motive
Laut WinFuture reichte die Bandbreite von edel und minimalistisch über kurios bis völlig sinnlos. GameStar nennt Skins mit Spielen, Filmen und Musikern, futuristische Designs und aufwendige Pixel Art. Winamp lief laut GameStar auf LAN-Partys neben Spielen wie Counter-Strike oder StarCraft.

Skins heute: Museum und Webamp
Als die Seiten, die Skins hosteten, verschwanden, fragte Jordan Eldredge im März 2018 auf Twitter, ob das Internet Archive beim Bewahren helfen könne. Laut seinem Blog sammelte er mit Jon Banafato und Jason Scott über 5.000 Skins und lud sie ins Archiv hoch. Am 2. Oktober 2018 kündigte das Archiv die Sammlung samt Webamp an, einem Winamp-2-Nachbau in JavaScript, der klassische Skins darstellt und als Player für archivierte MP3s dient.
Im September 2020 ging das Winamp Skin Museum mit rund 65.000 Skins online (t3n, WinFuture, GameStar). Man kann dort suchen, auch nach Farben, die Skins direkt im Browser ausprobieren, einen eigenen MP3 abspielen und die Skins herunterladen. Laut Eldredge enthält das Museum inzwischen über 100.000 Skins (Stand April 2025). Du findest es unter skins.webamp.org, den Player selbst unter webamp.org.
So nutzt du Skins in Winamp
Laut GIGA funktionieren die alten Download-Links in Winamp nicht mehr; Skins findest du über Archive wie das Skin Museum oder Seiten wie AllWinampSkins.com. Classic- und Modern-Skins installierst du per Doppelklick auf die heruntergeladene Datei. Zum Wechseln klickst du mit der rechten Maustaste auf den Rand eines Winamp-Fensters und wählst „Skins“, oder du drückst Strg + P und wählst links „Skins“. Wer Winamp aktuell nutzen will: Skinbase nennt die Version 5.9.2 von 2023 als Modernisierung des klassischen Players, der weiterhin Skins laden kann.
Zum Schluss
Skins waren ein Stück Selbstausdruck in einer Zeit, in der Programme meist gleich aussahen.
Quellen (10) · Stand Oktober 2026
- skinsforwinamp.com: The History of Winamp
- Skinbase: The Rise, Fall, and Return of Winamp
- GIGA: Winamp-Skins finden und installieren
- Skinamp (Sascha Hlusiak)
- Jordan Eldredge: Preserving Winamp skins at the Internet Archive
- t3n: 65.000 Winamp-Skins
- WinFuture: Winamp Skin Museum
- GameStar: Digitales Winamp-Museum
- XDA Developers: Treasure trove of Winamp skins
- blogspan: Winamp, die Geschichte des Kult-Players
Dazu: die Beschreibungen der verlinkten Videos.
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