Beim Kabelanbieter Pyur (Pÿur, Tele Columbus) haben Angreifer Kundendaten aus dem Firmennetz kopiert, darunter Bankverbindungen. Betroffen sind laut Kundenschreiben auch ehemalige Kunden. Dein Geld ist dadurch nicht automatisch weg, aber du solltest jetzt dein Konto im Blick behalten und bei Nachrichten und Anrufen misstrauisch sein. Hier steht, was bekannt ist und was du konkret tun kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Betroffene Daten: Vertragsnummer, Name, Bankverbindung, Buchungsdaten und Lastschriftmandat, laut Kundenschreiben.
- Zeitraum: Der Angriff lief nach bisherigen Erkenntnissen von Mitte September bis Anfang Oktober 2026.
- Größte Gefahren: falsche Abbuchungen und täuschend echte Betrugsnachrichten, die deine echten Vertragsdaten nennen.
- Falsche Abbuchungen: Du kannst sie über deine Bank zurückholen. Melde sie sofort.
- Nicht bekannt: Wie viele Menschen betroffen sind, hat das Unternehmen in den vorliegenden Berichten nicht genannt.
Was ist bei Pyur passiert?
Tele Columbus hat Betroffene Ende Oktober per E-Mail über einen Angriff auf seine IT informiert. Nach den bisher bekannten Angaben aus dem Schreiben gelangten die Daten aus dem Firmennetz nach außen. Der Angreifer sei inzwischen ausgesperrt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Bundesnetzagentur, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Datenschutzbehörden informiert und Strafanzeige gestellt.
Passwörter und E-Mail-Adressen stehen in den bekannten Auszügen des Schreibens nicht auf der Liste der betroffenen Daten. Ausgeschlossen ist damit aber nicht, dass Täter dich trotzdem erreichen. Unklar bleibt auch der Zeitraum, aus dem die Daten stammen: Ein Schreiben nennt laut einem Bericht Juni 2022, ein Leser berichtet dort von Daten aus 2019. Darum solltest du auch aufmerksam sein, wenn du schon lange kein Kunde mehr bist.
Das solltest du jetzt tun
- Konto prüfen: Geh deine Umsätze seit Mitte September durch und achte auch auf kleine Beträge. Das solltest du in den nächsten Monaten regelmäßig wiederholen. Falls deine Banking-App Hinweise zu neuen Abbuchungen anbietet, schalte sie ein.
- Falsche Abbuchung sofort melden: Sag deiner Bank Bescheid und lass den Betrag zurückbuchen. Das geht meist im Onlinebanking, in der Filiale oder telefonisch.
- Misstrauisch bleiben: Klick in unerwarteten Nachrichten nicht auf Links, auch wenn deine Vertragsnummer darin steht. Ruf im Zweifel selbst an, unter einer Nummer von einer alten Rechnung oder aus deinem Kundenkonto.
- Nichts preisgeben: Banken fragen am Telefon nie nach TAN oder Zugangsdaten. Leg bei solchen Anrufen auf und ruf deine Bank unter der dir bekannten Nummer an.
- Passwort ändern: Als reine Vorsichtsmaßnahme kannst du dein Passwort im Kundenportal ändern, vor allem wenn du es auch anderswo nutzt.
- Auskunft verlangen: Nach Artikel 15 DSGVO kannst du beim Unternehmen erfragen, welche Daten es über dich gespeichert hat. Das hilft besonders, wenn du kein Schreiben bekommen hast und unsicher bist.
Wichtig: Buch deine normale Pyur-Rechnung nicht aus Vorsicht zurück, solange dein Vertrag läuft und die Abbuchung stimmt. Eine Rückbuchung beendet den Vertrag nicht, die Forderung bleibt bestehen, und du riskierst Mahnungen.
Falsche Abbuchung: Welche Fristen gelten?
- Innerhalb von 8 Wochen: Eine Lastschrift kannst du ab der Abbuchung ohne Begründung zurückbuchen lassen.
- Bis zu 13 Monate: Dieser längere Zeitraum gilt für Abbuchungen, die du nie erlaubt hast. Trotzdem musst du die Bank sofort informieren, sobald du sie entdeckst.
- Wiederholte Abbuchungen: Frag deine Bank, ob sie Lastschriften eines bestimmten Empfängers oder dein Konto für Lastschriften sperren kann. Hört es nicht auf, kann auch eine neue Kontonummer helfen.
Rechnung oder Mahnung für etwas, das du nie bestellt hast?
Mit einer gestohlenen Bankverbindung können Betrüger zum Beispiel online einkaufen. Bekommst du Rechnungen, Mahnungen oder Post vom Inkassobüro, geh so vor:
- Zahl nicht vorschnell, und widersprich jeder Forderung schriftlich.
- Erstatte Anzeige bei der Polizei. Die Anzeige hilft dir als Beleg gegenüber Händler oder Inkasso.
- Nimm einen gerichtlichen Mahnbescheid ernst: Ihm kannst du innerhalb von 14 Tagen widersprechen.
- Bei Unsicherheit helfen dir die Verbraucherzentralen weiter.
Wenn du schon auf einen Betrug hereingefallen bist
Hast du Zugangsdaten, Kartendaten oder eine TAN weitergegeben, zählt jede Minute. Informiere sofort deine Bank und lass Karte oder Onlinezugang sperren, wenn nötig über den Sperr-Notruf 116 116. Ändere danach deine Zugangsdaten und erstatte Anzeige bei der Polizei.
Auch notebooksbilliger.de hat Kunden gewarnt
Pyur ist nicht der einzige aktuelle Fall. Auch notebooksbilliger.de hat Kunden über einen Cyberangriff informiert und kann nicht ausschließen, dass IBANs abgeflossen sind. Passwörter sind laut Unternehmen nach bisherigem Stand nicht betroffen. Die Tipps oben gelten auch für diesen Fall und für andere Datenlecks mit Bankdaten.
Wie du allgemein prüfen kannst, ob deine E-Mail-Adresse in einem Datenleck aufgetaucht ist und was das Internet noch über dich verrät, zeigt unser Beitrag 10 Webseiten, die zeigen, was das Internet über dich weiß. Ein solcher Check muss den Pyur-Fall nicht anzeigen, weil E-Mail-Adressen nicht auf der bekannten Liste der betroffenen Daten stehen.
Quellen
- heise online: IT-Angriffe mit Datenabfluss bei notebooksbilliger und Pÿur (2. November 2026)
- Borns IT- und Windows-Blog: Cybervorfälle, Telekolumbus Netz GmbH (Pyur), mit Auszügen aus dem Kundenschreiben (2. November 2026)
- Verbraucherzentrale: Kriminelle nutzen gestohlene IBANs
- Verbraucherzentrale: Bezahlen im SEPA-Lastschriftverfahren
- BaFin: Datendiebstahl durch Phishing und Co.
- Beitragsbild: rawpixel, CC0
Stand: 6. November 2026. Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Der Fall läuft noch, Angaben können sich ändern.

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