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Jamba, Crazy Frog und Schnuffel: Klingelton-Werbung, Abo und Ende

Illustration eines Handys mit grünem Frosch auf dem Display und Klingel-Wellen
  • Lesezeit etwa 5 Min.
  • 13 Quellen am Ende

Jamba und der Crazy Frog standen für ein Jahrzehnt, in dem man für Töne bezahlte, die das Handy machte, und in dem nicht jeder verstand, was das kostet. Wie das Gerät dazu aussah, steht im Nokia-3310-Beitrag.

Hinweis: Das hier ist eine unabhängige Fan-Seite, Jamba, Jamster, Crazy Frog, Schnuffel und die anderen Namen gehören ihren Inhabern. Ich verlinke keine Abo-Angebote. Videos werden erst nach deinem Klick von YouTube geladen. Zum Abo-Teil: Das ist dokumentierte Verbraucherschutz-Geschichte, keine Anleitung.

Inhalt (6)

Die Zeitleiste

ZeitpunktEreignis
August 2000Jamba öffnet in Berlin, gegründet von Alexander, Marc und Oliver Samwer
2003Der Crazy Frog taucht als 3D-Animation „The Annoying Thing“ im Netz auf
2004Jamba sichert sich die Werberechte am Frosch; die Samwers verkaufen Jamba an VeriSign
Februar 2005taz: Klingeltöne sind ein „Riesengeschäft“, die Regierung will den Preis im Kleingedruckten größer drucken
April 2005Die britische Werbeaufsicht ASA gibt 298 Beschwerden zu den Crazy-Frog-Spots statt
17. Mai 2005„Axel F“ erscheint in Deutschland
Mai 2005Platz eins in Großbritannien, vier Wochen lang, vor Coldplay
29. August 2005Der Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt Jamba ab, Jamba unterschreibt eine Unterlassungserklärung
Januar bis Oktober 2005Jamba gibt rund 125 Millionen Euro für Werbung aus
2006Höchststand beim Klingelton-Absatz in Deutschland: 13,2 Millionen Stück; News Corp übernimmt 51 Prozent
Juli 2006Tagesspiegel: das Geschäft läuft schlechter, ein Crazy-Frog-Hit ist schwer zu wiederholen
Juli 2008EU-Kommission: bei 80 Prozent von 560 untersuchten Klingelton-Seiten besteht der Verdacht auf Verstöße
Oktober 2008Jamba geht in der Fox-Sparte „Fox Mobile“ auf, die Marke bleibt
2017Nur noch rund 700.000 verkaufte Klingeltöne

Jamba: von UMTS zum Klingelton

Jamba wurde im August 2000 in Berlin eröffnet. Geplant war ursprünglich ein Geschäft mit UMTS-Inhalten, weil sich UMTS langsamer durchsetzte als erwartet, stellte man auf Klingeltöne und Hintergrundbilder um und wurde laut WinFuture Weltmarktführer in dem Bereich (WinFuture, 21.10.2008). Das Geschäft traf den Nerv: Handys waren ein Statussymbol, die Standard-Klingeltöne der Hersteller klangen überall gleich (Techbook, 06.12.2022). Bekannt wurde Jamba durch aggressive Fernsehwerbung. Der Frosch lief bis zu 150-mal am Tag auf MTV und Viva (Techbook). Von Januar bis Oktober 2005 gab Jamba rund 125 Millionen Euro für Werbung aus (PC Welt, 04.04.2006).

Der Crazy Frog und „Axel F“

Der schwedische Animator Erik Wernquist schuf die Figur 2003, zunächst unter dem Namen „The Annoying Thing“. Die Tonspur stammt von Daniel Malmedahl, der 1997 als Jugendlicher einen Zweitaktmotor nachgeahmt hatte (Techbook, SRF). 2004 lizenzierte Jamba Klingelton und Animation und machte aus dem Frosch eine Marke. Die Single „Axel F“, ein Remake des Themas aus „Beverly Hills Cop“, erschien am 17. Mai 2005 in Deutschland (Wikipedia).

  • Großbritannien: Platz 1, vier Wochen lang, Platz 3 der meistverkauften Singles 2005. In der stärksten Woche verkaufte sich der Titel vier zu eins gegenüber Coldplay (Wikipedia, Techbook).
  • Deutschland: Höchstplatzierung 3, Jahresplatz 28 (Wikipedia).
  • Schweiz: Der Titel stieg ab Mai 2005 in die Charts, hielt sich 42 Wochen und stand 11 Wochen auf Platz 1 (SRF, 03.07.2015). Die Wikipedia nennt als Jahresplatz 2.
  • Frankreich: 13 Wochen auf Platz 1, mit einer Diamantauszeichnung für 1,27 Millionen Einheiten (Wikipedia).
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Schnuffel, Mauli, Sweety und die anderen

Neben dem Frosch kamen weitere Figuren: Schnuffel, Mauli, die Gummibären und Sweety (Techbook). Die Bezeichnung für die Küken-Figur war in Großbritannien „Seetie the Chick“, daneben stand „Nessie the Dragon“ (Osborne Clarke). Schnuffel, ein animiertes Kaninchen mit großen Augen, sang laut 1000things den „Kuschelsong“. Mauli, der Maulwurf, sang mit Lispeln über das Verliebtsein. Auf Wikipedia ist „Ich hab’ Dich lieb“ als Single vom 4. Juli 2008 verzeichnet, die in Deutschland bis Platz 23 kam.

Abo, Werbung und Verbraucherschutz

  • Februar 2005: Die taz beschrieb Klingeltöne als „Riesengeschäft“, einzelne Töne kosteten zehn Euro oder mehr, geplant war, den Preis im Kleingedruckten größer zu drucken (taz, 15.02.2005).
  • April 2005, Großbritannien: Die ASA gab 298 Beschwerden statt, weil die Spots nicht deutlich machten, dass eine SMS ein Abo auslöst, und Kinder ansprachen. Die Spots durften vor 21 Uhr nicht mehr laufen. Jamba wollte die Entscheidung per Verfügung vertraulich halten, das High Court lehnte am 21. September 2005 ab (Osborne Clarke).
  • 29. August 2005: Der Verbraucherzentrale Bundesverband mahnte Jamba ab, weil Käufer eines einzelnen Klingeltons nicht merkten, dass sie ein Abo abschlossen. Jamba unterschrieb eine Unterlassungserklärung und sagte zu, den Abo-Charakter deutlicher zu zeigen. Ministerin Renate Künast warf der Branche vor, die geschäftliche Unerfahrenheit von Kindern und Jugendlichen auszunutzen (Computerwoche, 29.08.2005).
  • Juli 2008: Die EU-Kommission vermutete bei 80 Prozent von 560 untersuchten Internetseiten Verstöße gegen Verbraucherrechte (Tagesspiegel, 15.07.2008).
  • Kleingedrucktes: Viele Kunden übersahen es, schlossen ein schwer kündbares Abo ab und gerieten in finanzielle Probleme (Techbook).

Verkauf, Niedergang, Ende des Spar-Abos

  • 2004: Die Samwer-Brüder verkauften Jamba an VeriSign, laut Techbook und SRF für 273 Millionen US-Dollar, WinFuture nannte 2008 dagegen 223 Millionen Euro. Am Crazy-Frog-Erfolg sollen die Brüder rund 15 Millionen Euro verdient haben (SRF).
  • 2006: News Corp stieg für 188 Millionen Dollar zu 51 Prozent ein und kaufte später die übrigen Anteile (WinFuture).
  • Absatz: Laut BVMI wurden in Deutschland 2006 rund 13,2 Millionen Klingeltöne verkauft, 2017 etwa 700.000 (Statista, 20.04.2018).
  • Heute: Die Marke verkauft Spiele, Hintergrundbilder und Emoticons, das Spar-Abo ist laut Techbook „gestorben“. Die Rolle der Klingeltöne übernahmen Smartphones.

Einordnung: Das Geschäft zeigt, wie früh sich Geld mit Kindern und Jugendlichen im Handy verdienen ließ. Der Spott über den Frosch war damals Teil der Wirkung, man sprach über ihn, auch wenn man ihn nicht wollte.

Quellen (13) · Stand Oktober 2026

Dazu: die Beschreibungen der verlinkten Videos.

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