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ICQ, Miranda IM und Digsby: Chat-Clients im Vergleich

Drei bunte Sprechblasen, Sinnbild für Instant Messenger
  • Lesezeit etwa 5 Min.
  • 9 Quellen am Ende

ICQ war der Anfang, Miranda IM und Digsby waren zwei sehr unterschiedliche Antworten auf das Chaos.

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Inhalt (4)

Die drei im Vergleich

MerkmalICQMiranda IMDigsby
Start15. November 19966. Februar 2000 (Version 0.0.1)Ende 2007
EntwicklerMirabilis (Israel)Roland Rabien („figbug“) und weiteredotSyntax LLC
PrinzipEigener Dienst mit proprietärem Protokoll (OSCAR)Quelloffener Multiprotokoll-Client mit Plug-ins (GPL)Multi-Client für Messenger, E-Mail und soziale Netzwerke
FinanzierungVerkauf an AOL 1998Freie Software, werbefreiDrittanbieter-Angebote im Installer und ein Forschungsmodul
EndeAbschaltung am 26. Juni 2024Miranda NG als Fork seit 2012, Miranda IM zuletzt 2018Übernahme durch Tagged 2011, Open Source 2012

ICQ

  • Entwickler: Mirabilis (Israel), gegründet im Juni 1996, erste Veröffentlichung am 15. November 1996.
  • Name: Abgeleitet von „I Seek You“. Jeder Nutzer bekam eine fortlaufende Nummer (UIN), die bei 100.000 begann.
  • Verkauf: AOL kaufte ICQ 1998 für 287 Millionen US-Dollar im Voraus plus bis zu 120 Millionen in Zusatzzahlungen über drei Jahre. Der Vertrag datiert vom 5. Juni 1998, die Übernahme wurde am 8. Juni bekannt gegeben, damals mit mehr als 12 Millionen registrierten Nutzern, von denen rund 60 Prozent außerhalb der USA saßen (CNNfn, 08.06.1998; AOL-Börsenmeldung). Die Presse nannte es den bis dahin größten Verkauf einer israelischen Softwarefirma ins Ausland (JTA).
  • Nutzer: Um 2001 über 100 Millionen registrierte Konten; für 2009 nennt heise sogar über 470 Millionen (heise, 2024).
  • Besitzer 2010: AOL verkaufte ICQ im April 2010 an Digital Sky Technologies für 187,5 Millionen US-Dollar, das Unternehmen firmierte später als Mail.Ru Group und VK.
  • Protokoll: AOLs OSCAR-Protokoll war proprietär, Drittanbieter-Clients nutzten Reverse Engineering. Das ist die Grundlage für Programme wie Miranda.
  • Ende: Die Einstellung wurde im Mai 2024 auf der ICQ-Seite angekündigt, die Abschaltung erfolgte am 26. Juni 2024. VK empfahl den Umstieg auf VK Messenger (heise, 2024).

Die Geschichte in einem Rückblick, deutsch (MythosOfGaming, rund 15 Minuten):

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Und kürzer, zum Abschied am 26. Juni 2024 (Wilde 90er, rund fünf Minuten):

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Miranda IM

  • Anfang: Roland Rabien begann das Projekt am 2. Februar 2000 als minimalistischen ICQ-Klon namens „Miranda ICQ“, die erste öffentliche Version 0.0.1 erschien am 6. Februar 2000.
  • Umbenennung: Im Dezember 2002 wurde es Miranda IM, die erste Version unter diesem Namen folgte am 1. Februar 2003.
  • Prinzip: Kern ist ein Client-Framework mit Oberfläche, Protokolle und Zusatzfunktionen laufen über Plug-ins. Nicht benötigte Protokolle lassen sich entfernen.
  • Protokolle: Standardmäßig AIM, Gadu-Gadu, ICQ, IRC, MSN, XMPP (inklusive Google Talk) und Yahoo! Messenger, per Plug-in unter anderem Skype, Tencent QQ und Facebook Messenger.
  • Plug-ins: Früher gab es laut Wikipedia über 500 Plug-ins auf einer offiziellen Add-on-Seite.
  • Besonderheiten: Anpassbare Oberfläche, vollständiges Nachrichtenarchiv auf der Festplatte, keine Werbung, geringer Speicherbedarf.
  • Fork: Im Mai 2012 entstand Miranda NG („New Generation“). Die letzte Version von Miranda IM ist 0.10.80.0 vom April 2018.
  • Kritik und Lob: CNET vergab 2008 vier von fünf Sternen, PCWorld kritisierte 2010 die Oberfläche.

Eine deutsche Einführung in das Programm (rund sechs Minuten, Upload von „Philosophiefraktal Bontii“):

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Und eine Anwendung aus dem Szene-Alltag: IRC im Miranda IM (Teil 1 von 2, bei SemperVideo).

Digsby

  • Start: Ende 2007 von dotSyntax LLC, laut Tests von 2009 mit Messengern, Facebook, MySpace, LinkedIn, Twitter, Webmail und POP/IMAP-Postfächern in einem Fenster.
  • Geschäftsmodell: Das Unternehmen wollte ein werbefinanziertes Gratis-Modell vermeiden und setzte stattdessen auf Drittanbieter-Angebote im Installer und ein Forschungsmodul, das die Rechenleistung der Nutzer-PCs für Forschungsprojekte verwendete.
  • Kontroverse (August 2009): Ein Lifehacker-Beitrag warf dem Programm vor, sechs Drittanbieter-Angebote anzubieten und die PCs zu nutzen, ohne die Nutzer klar zu informieren. Das Modul war laut Firma im Blog und in einem Absatz der Lizenzvereinbarung erwähnt, aber nicht auffällig genug.
  • Reaktion: dotSyntax antwortete am frühen Morgen nach dem Beitrag, kündigte eine deutlichere Opt-out-Option noch am selben Tag an und befragte Nutzer zum Erlösmodell (Computerworld, 14. August 2009).
  • Übernahme: Im April 2011 kaufte das soziale Netzwerk Tagged Digsby, es war die erste Übernahme von Tagged. Der Client hatte laut TechCrunch rund 3 Millionen registrierte Nutzer, Tagged mehr als 100 Millionen; die Konditionen blieben unveröffentlicht und alle sieben Mitarbeiter wechselten zu Tagged. Tagged-Chef Greg Tseng sagte, Chat sei die meistgewünschte Funktion bei Tagged (TechCrunch, 19.04.2011).
  • Open Source: Im September 2012 wurde der Quellcode auf GitHub veröffentlicht. Digsby wurde nie in Tagged integriert, die sieben Mitarbeiter von dotSyntax wechselten in andere Bereiche.

Das offizielle Kurzvideo „Was ist Digsby?“ (Kanal GoDigsby, rund anderthalb Minuten):

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Und eine deutsche Vorstellung des Programms (SemperVideo, rund zehn Minuten):

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Quellen (9) · Stand Oktober 2026

Dazu: die Beschreibungen der verlinkten Videos.

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