Auf einem Festival erlebst du oft drei Jahreszeiten an einem Wochenende: mittags Hitze, nachmittags Wolkenbruch, nachts Pulli und Mütze. Regen ist meistens nur nervig. Ein Gewitter ist es nicht. Auf einer offenen Wiese voller Zeltstangen, Masten und Absperrgitter bist du so ungeschützt wie kaum irgendwo sonst. Hier steht, was im Ernstfall wirklich hilft und was nur so aussieht.
Das Wichtigste in Kürze
- Zähl die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Drei Sekunden sind etwa ein Kilometer. Unter 30 Sekunden: sofort Schutz suchen.
- Wirklich schützen nur ein Auto mit Metalldach und ein festes Gebäude. Zelt, Pavillon und Bäume schützen nicht.
- Kein Schutz erreichbar? In die Hocke, Füße eng zusammen, nicht hinlegen.
- Erst 30 Minuten nach dem letzten Donner wieder raus.
- Wenn das Festival unterbricht oder räumt: sofort losgehen, Durchsagen folgen.
Vorher: Wetter-Check in vier Schritten
- Eine Woche vorher: Großwetterlage ansehen. Hitze, Dauerregen oder kalte Nächte? Danach richtest du die Packliste aus.
- Zwei Tage vorher: Vorhersage für den Festivalort prüfen. Warn-App installieren, zum Beispiel NINA vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz oder WarnWetter vom Deutschen Wetterdienst, und den Ort als Favoriten speichern.
- Am Anreisetag: Unwetterwarnungen checken. Regenzeug ins Handgepäck, nicht ganz unten in den Rucksack.
- Vor Ort, jeden Morgen: kurzer Blick in die App und in die Kanäle des Festivals. Am wichtigsten sind aber die Durchsagen auf dem Gelände: Bildschirme an den Bühnen, Lautsprecher, Festival-App. Sie sagen dir, was auf genau diesem Platz gilt.
Wenn es blitzt: die 30-30-Regel
Blitze schlagen nicht nur dort ein, wo es gerade regnet. Sie können viele Kilometer vor der eigentlichen Gewitterfront einschlagen. Deshalb gilt die einfache Faustregel: Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, ist das Gewitter etwa zehn Kilometer oder näher. Dann suchst du sofort Schutz. Wieder raus geht es erst 30 Minuten nach dem letzten Donner, auch wenn die Sonne schon wieder rauskommt.
Was schützt und was nicht
Das schützt dich:
- Ein Auto mit geschlossenem Metalldach, also kein Cabrio. Fenster zu, nichts Metallisches anfassen. Die Karosserie leitet den Strom außen um dich herum.
- Ein festes Gebäude, zum Beispiel feste Sanitäranlagen aus Stein oder eine Halle.
Das schützt dich nicht, auch wenn es sich so anfühlt:
- Zelt und Pavillon. Die Zeltstangen machen es eher schlimmer.
- Bäume, auch nicht darunter oder daneben.
- Licht-, Fahnen- und Bühnenmasten.
- Metallzäune und Absperrgitter.
- Regenschirme mit Metallgestell.

Draußen erwischt? So machst du dich klein
Manchmal ist das Auto zu weit weg und kein Gebäude in Sicht. Dann ist die Hockstellung dein Notfallplan:
- In die Hocke gehen: Füße eng zusammen, Arme um die Knie, Kopf einziehen. Nicht hinlegen, denn je größer deine Fläche am Boden, desto mehr Strom kann durch den Boden zu dir laufen.
- Abstand halten: zu Bäumen, Masten und Zäunen. In der Gruppe ein paar Meter Abstand zueinander lassen, damit nicht alle gleichzeitig getroffen werden.
- Weg vom Metall: Schirme, Stöcke, Campingstühle und andere Metallteile loslassen.
Sturmwarnung: Pavillon runter
Bei Wind wird ein Pavillon zum Segel. Er hebt ab, reißt Heringe aus und kann Menschen verletzen. Sobald eine Sturmwarnung kommt: Pavillon abbauen, lose Sachen ins Zelt oder ins Auto, Heringe nachschlagen und Leinen nachspannen. Wie dein Zelt Regen und Wind übersteht, steht in 7 Tipps für ein Festivalzelt, das Regen, Wind und Diebstahl übersteht.
Starkregen: trocken durch nasse Tage
Regen ist kein Drama, nasse Schlafsachen schon. Das meiste entscheidet sich beim Aufbau:
- Nicht in Senken, Fahrspuren oder am Fuß eines Hangs aufbauen. Dort sammelt sich das Wasser.
- Die Unterlegplane muss kleiner sein als das Zelt. Steht sie über, fängt sie den Regen auf und leitet ihn direkt unter dein Zelt.
- Alle Leinen straff spannen, damit sich Außen- und Innenzelt nicht berühren.
- Nasses bleibt im Vorzelt. Schlafsack, Wechselkleidung und Handy kommen in Müllbeutel oder Packsäcke.
- Für den Matsch: Gummistiefel mit Wollsocken und pro Tag ein trockenes Paar Socken nur für den Abend.
Nach einem nassen Tag wird es nachts schnell kalt. Wer durchnässt ist und stark zittert, gehört ins Trockene, warm eingepackt und zu den Sanitätern. Wird die Person verwirrt oder schläfrig, ruf 112.
Show-Stopp oder Räumung: Was dann zu tun ist
Bei Unwetter unterbricht ein Festival die Shows oder räumt sogar das Gelände. Beides ist im Sicherheitskonzept vorbereitet. Das nervt, rettet aber Leben. Bei Rock am Ring 2016 wurden durch Blitzeinschläge über 70 Menschen verletzt, das Festival wurde vorzeitig abgebrochen.
- Durchsagen ernst nehmen und sofort losgehen, nicht noch schnell das Zelt aufräumen.
- Ausweis, Handy, Medikamente und Geld trägst du bei Gewitterwarnung schon am Körper, am besten in der Bauchtasche.
- Mit deiner Gruppe vorher einen Treffpunkt außerhalb des Geländes ausmachen, falls das Netz zusammenbricht.
- Ruhig gehen und nicht drängeln. Beim Verlassen sind viele müde, im Dunkeln unterwegs und manche betrunken.
- Den Anweisungen von Ordnungsdienst und Rettungskräften folgen.
Checkliste: wetterfest aufs Festival
- Warn-App installiert und Festivalort gespeichert
- Regenjacke oder Poncho, Gummistiefel, Wollsocken
- Müllbeutel, Packsäcke und ein Zip-Beutel fürs Handy
- Extra Heringe und Leinen
- Pulli, Mütze, Isomatte und ein Schlafsack für kalte Nächte
- Bauchtasche mit Ausweis und Medikamenten
- Treffpunkt außerhalb des Geländes vereinbart
Was sonst noch in den Rucksack gehört, steht in unserer Festival-Packliste. Und falls du gerade schon fürs nächste Jahr planst: Festivals 2027: Diese Termine stehen schon fest.
Dieser Beitrag ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Vor Ort gelten immer die Anweisungen des Festivals und der Rettungskräfte.
Mehr für ein sicheres Wochenende: Awareness auf Festivals erklärt, wo du Hilfe bekommst, und wer ohne Crew losfährt, findet Tipps in Allein aufs Festival.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Warn-App NINA
- Deutscher Wetterdienst: WarnWetter-App
- VDE Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung: Blitzschutz im Freien
- DEHN: Leben mit Blitzen (Broschüre zu Verhalten bei Gewitter und Hockstellung)
- Deutsches Rotes Kreuz: Erste Hilfe
- Berichte zum Blitzunfall bei Rock am Ring, 3. bis 5. Juni 2016 (u. a. euronews, Tiroler Tageszeitung)
- Impuls Brandenburg (2021): Festival-Handbuch – How-To Festival, S. 70–72 (Show-Stopp und Evakuierung)

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