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Warez und Kopierschutz: Razzia 2001 und die Schutzsysteme

Gelbes Vorhängeschloss vor einer Silberscheibe
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  • 7 Quellen am Ende

Sunflowers pressten Anno 1602 laut Gameswelt auf überlange CDs, die 1998 kaum ein Brenner beherrschte. Das war ein Schutz gegen Kopien, und er hielt nicht lange. Dieser Beitrag erzählt als Geschichte, wie Hersteller Spiele schützten und wie Ermittler im Dezember 2001 gegen die internationale Warez-Szene vorgingen. Anleitungen oder Fundorte gibt es hier nicht.

Was „Warez“ meint

Mit Warez ist die Szene gemeint, die kopierte Software, Spiele und Filme verbreitet. Der Computerworld-Bericht vom 12. Dezember 2001 nennt als Ziel der Ermittler die Gruppe DrinkOrDie mit etwa 40 Mitgliedern weltweit, gegründet Anfang der 1990er in Russland. Laut itreseller.ch wurde sie 1993 in Russland gegründet und zählte unter ihren Mitgliedern Studierende und Manager großer Internetanbieter.

Protokoll: Dezember 2001

11. Dezember 2001: Das US-Justizministerium meldet rund 100 Durchsuchungsbeschlüsse weltweit in drei Aktionen. Bei „Buccaneer“ wurden 58 Beschlüsse gleichzeitig in den USA und im Ausland vollstreckt, bei „Bandwidth“ über 30 in den USA und Kanada, bei „Digital Piratez“ 9, dazu kamen Zustimmungen zu drei weiteren Durchsuchungen. Die Ermittlungen dauerten bei Buccaneer über ein Jahr, bei Bandwidth zwei Jahre und bei Digital Piratez ein Jahr; die beiden Letzteren liefen verdeckt. Beteiligt waren unter anderem der US-Zoll, das FBI und die Branchenverbände IDSA, BSA und MPA sowie Microsoft und Sega.

Bandwidth: Die Ermittler betrieben laut Justizministerium eine Warez-Website, über die mehr als 100.000 Dateien übertragen wurden, darunter über 12.000 Programme, Filme und Spiele; mehr als 200 Personen waren beteiligt.

12. Dezember 2001: Itreseller.ch spricht von mehr als 100 Razzien in sechs Ländern (USA, Kanada, Großbritannien, Finnland, Norwegen, Australien) bei Unternehmen, Privatwohnungen und Universitäten und nennt 65 Verdächtige nach einem Jahr verdeckter Ermittlung. Laut Computerworld gab es in den USA noch keine Festnahmen, in den anderen Ländern wurden neun Personen festgenommen; weitere 20 Länder sollten ähnlich vorgehen. Nach der New York Times wurden Wohnheimzimmer an der Duke University und der Purdue University durchsucht, weitere Razzien gab es am MIT, an der UCLA und an einem Standort der University of Oregon.

Strafandrohung und Schaden: Den 40 DrinkOrDie-Mitgliedern drohten laut itreseller.ch bis zu fünf Jahre Haft und bis zu 250.000 US-Dollar Geldstrafe. Die Softwarebranche nannte laut Computerworld weltweit rund 12 Milliarden US-Dollar Verlust pro Jahr durch Piraterie; die acht bis zehn größten Warez-Gruppen sollten nach dem Bericht etwa 95 Prozent der im Web angebotenen Raubkopien bereitstellen. Das Justizministerium nennt dazu keine Gesamtsumme, es erwartete die Beschlagnahme von Hunderttausenden Kopien mit einem Einzelhandelswert in Millionenhöhe.

Die Berichte weichen in einigen Zahlen ab: Das Justizministerium nennt rund 100 Durchsuchungsbeschlüsse und kein Gründungsjahr der Gruppe, itreseller.ch spricht von über 100 Razzien in sechs Ländern und dem Gründungsjahr 1993, Computerworld von fünf Ländern plus Kanada bei „Bandwidth“.

Der Schutz: Was Hersteller versuchten

  • Überlange CDs: Anno 1602 erschien 1998 auf überlangen CDs, die kaum ein Brenner beherrschte (Gameswelt). Der Schutz hielt laut Gameswelt nicht lange, weil Kopierprogramme den gesamten Datenträger samt Schutz abbilden konnten.
  • SafeDisc (Macrovision): nutzte in der ersten Version absichtlich defekte Sektoren; die letzte Stufe installierte einen Treiber, der bis Ende 2007 eine Sicherheitslücke bot (Gameswelt). PC Games beschreibt eine digitale Signatur auf dem Datenträger, die vor dem Spielstart geprüft wird.
  • SecuROM: schrieb laut PC Games absichtlich ungeordnete Daten auf den Datenträger; später wurde die Echtheit über das Netz geprüft (Gameswelt).
  • Tagès: erstmals 2001 in MotoRacer 3 eingesetzt, später bei Anno 1404 mit drei Installationen (Gameswelt).
  • StarForce: von Ubisoft und Codemasters genutzt; Splinter Cell: Chaos Theory hielt Crack-Versuchen laut Gameswelt 424 Tage stand. Es gab Instabilitäten und Sammelklagen in den USA.
  • Hardware-Dongles: laut dem Branchenverband BIU die sicherste Methode, aber wegen der Kosten selten in Spielen (PC Games, 10.8.2009).
  • Internetaktivierung: Mit Half-Life 2 und Steam sorgte Valve 2004 laut Gameswelt für den ersten großen Aufschrei. Mass Effect und Spore erlaubten drei bis fünf Installationen; nach Kritik bot EA ein Werkzeug zum Freigeben an.

Der Spielemarkt blieb gespalten: Deep Silver verzichtete bei Risen laut PC Games bewusst auf Online-Aktivierung, nachdem es Verkaufszahlen und frühere Kundenreaktionen abgewogen hatte. Mehr zum Alltag mit Heft-CDs und Spielemagazinen steht im Heft-CD-Beitrag, und wie sich Musik als Datei verbreitete, im Napster-Beitrag.

Die Rechtslage in Deutschland

Nach § 106 des Urheberrechtsgesetzes wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt; der Versuch ist strafbar. Bei gewerbsmäßiger Begehung liegt der Strafrahmen nach § 108a bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Das ist der heutige Gesetzestext und keine Rechtsberatung.

Zeitleiste: 1998 Anno 1602 auf überlangen CDs, 2001 Tagès erstmals in MotoRacer 3, 11.12.2001 Razzien Buccaneer, Bandwidth und Digital Piratez, 2004 Half-Life 2 mit Internetaktivierung, Ende 2007 Sicherheitslücke im SafeDisc-Treiber, 12.4.2010 Ubisofts Online-Plattform ungeknackt.
Alles auf einen Blick. Eigene Darstellung nach Gameswelt, PC Games, dem US-Justizministerium, itreseller.ch und Computerworld.

Weiterlesen: Napster 1999 und Kazaa, eMule und LimeWire.

Quellen (7) · Stand Oktober 2026

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