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„Radio easyMP3“ ist ein Name, an den sich viele nur halb erinnern: eine Software, mit der man über die TV-Karte MP3s mitschneiden konnte, mitten aus dem Fernsehkabel, ohne Internet und ohne Tauschbörse.
Hinweis: Das hier ist eine unabhängige Fan-Seite. r@dio.mp3, Megaradio, Radio easyMP3, NBC Europe und die anderen Namen gehören ihren Inhabern. Die Dienste existieren nicht mehr, es gibt hier keine Downloads.
Inhalt (8)
Die Kurzfassung
- r@dio.mp3 (März 2000 bis Juni 2001): der Ursprung, ein Gratis-Radio im Fernsehsignal von NBC Europe, empfangen mit TV-Karte und Gratis-Software.
- Megaradio (April 2002 bis April 2003): dieselbe Technik, neuer Betreiber, später mit Bezahl-Bereich.
- Radio easyMP3 (2003): der geplante dritte Anlauf. Die Website ging online, ein Sendestart kam laut Stadtwiki Karlsruhe nie zustande.
Die Zeitleiste
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 13. März 2000 | r@dio.mp3 der MusicPl@y GmbH (München) geht auf Sendung, über NBC Europe |
| 24. Mai 2000 | Pressemitteilung: über 150.000 registrierte Hörer, Helkon Media übernimmt 10 Prozent der Anteile |
| 4. September 2000 | Player 2.0 mit vereinfachter Aufnahme, nun auch Empfang über Satellit (Hotbird) |
| 23. November 2000 | Die „MegaCDs“: neue Alben am Erscheinungstag im Programm, zum Mitschneiden |
| 11. Dezember 2000 | Player 2.2 mit vier Aufnahmeknöpfen und Vorauswahl von bis zu drei Songs |
| 19. April 2001 | Sendebetrieb „vorläufig“ eingestellt, Vertragsstreit mit NBC Europe |
| 31. Mai 2001 | Insolvenzantrag der MusicPl@y GmbH |
| 8. Juni 2001 | Der Player verstummt |
| 12. September 2001 | Liquidation |
| 18. April 2002 | Megaradio startet über dieselbe Technik |
| 16. September 2002 | Premium-Dienst: bis zu fünf verschlüsselte Alben pro Tag, anfangs 5 Euro im Monat |
| 17. März 2003 | Insolvenzantrag von Megaradio |
| 4. April 2003 | Ende des Sendebetriebs |
| 26. Mai 2003 | Die Website von Radio easyMP3 geht online, mit unverbindlicher Anmeldung |
| 2. September 2003 | WinFuture meldet, der Start stehe „kurz bevor“ |
| 24. September 2003 | kress: 55 Euro im Jahr, hypermedia GmbH und @net.com als Partner |
Der Trick: Musik im Bildaustastbereich
Ein Fernsehbild besteht nicht nur aus dem, was man sieht. Zwischen zwei Bildern liegt eine Pause, die vertikale Austastlücke, und genau dort liegt auch der Videotext. Dieselbe Idee steckt im VPS-Signal, mit dem Videorekorder die Sendung finden. r@dio.mp3 packte in diese Lücke Daten: Musik als MP3 mit 128 kbit/s, dazu Titelinfos und Mini-Cover. Gesendet wurde über den Kanal NBC Europe, die Sendeanlagen standen in Düsseldorf im Medienhafen.
Der Empfang brauchte nur zwei Dinge: eine TV-Tunerkarte im PC und die kostenlose Empfangssoftware, entwickelt von der RapidSolution Software AG in Karlsruhe. Der Betreiber sprach von rund 90 Prozent der deutschen Kabelhaushalte, die den Sender erreichten, und ab 2000 gab es zusätzlich den Weg über den Satelliten Hotbird. Mit einer TV-Karte im Rechner brauchte man also keinen Internetzugang, nur den Kabelanschluss.
Der Aufnahme-Knopf
Dass man mit der Software Songs mitschneiden konnte, war von Anfang an Teil des Konzepts. In der Startmeldung vom 13. März 2000 beschrieb der Betreiber die Aufnahme per Record-Button während oder kurz nach einem Song. Im Lauf der Zeit wurde das ausgebaut:
- Player 2.0 (September 2000): Equalizer, vereinfachte Aufnahme, Infofenster; Windows 95, 98, NT 4.0 und 2000.
- Player 2.2 (Dezember 2000): vier Aufnahmeknöpfe, Vorauswahl von bis zu drei Songs mit automatischem Aufnahmestart und Sendersuchlauf. Mindestens verlangt waren Pentium II mit 233 MHz, 32 MB RAM, TV-Karte, Soundkarte und Kabelanschluss.
- MegaCDs (ab November 2000): Täglich liefen ab 13 Uhr neue Alben am Erscheinungstag, etwa von Westernhagen, den Beatles oder den Backstreet Boys. Die Werbung dazu hieß im Dezember „Napster dir einen? Napster dir alle!“.
- MAXDATA-Radio-PC (Juni 2000): ein Rechner mit vorinstallierter Software und TV-Karte; die 15-GB-Festplatte sollte mehr als eine Woche Programm speichern.
heise schrieb im April 2001, der Sender spiele teils ganze CDs am Stück und kündige sein Musikprogramm vorab an. Zum Vergleich: Die Hintergründe von Napster und den Tauschbörsen danach stehen in eigenen Beiträgen; hier kam die Musik von einem Sender, nicht von anderen Nutzern. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hatte nach Angaben des Betreibers eine Lizenz erteilt, ob die vor Gericht gehalten hätte, war laut heise umstritten.
r@dio.mp3: 2000 bis 2001
Der Dienst startete am 13. März 2000 und wird als erster Radiosender der Welt beschrieben, der über das Fernsehsignal sendete. Zielgruppe waren laut MusicPl@y PC-Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren. Finanziert wurde der Sender komplett über Werbung. Bei den Nutzerzahlen weichen die Angaben ab: In den Pressemitteilungen des Betreibers stehen im Mai 2000 über 150.000 und im September 2000 rund 250.000 registrierte Hörer, Wikipedia nennt insgesamt über 600.000 registrierte Nutzer.
Das Ende kam in zwei Schritten. Am 19. April 2001 meldete heise, der Sendebetrieb sei wegen eines Vertragsstreits mit NBC Europe vorläufig eingestellt, MusicPl@y verhandle und suche weitere TV-Partner. Am 31. Mai 2001 folgte der Insolvenzantrag, am 8. Juni 2001 verstummte der Player. Eine Rettungsaktion ab dem 22. Juni sammelte laut Stadtwiki Karlsruhe mehr als 13.000 Einzugsermächtigungen über je 5 Euro im Monat, das reichte nicht. Am 12. September 2001 wurde das Unternehmen liquidiert.
Megaradio: 2002 bis 2003
Dieselbe Technik meldete sich zurück: Am 18. April 2002 startete der Münchner Jugendsender Megaradio den Dienst über die Austastlücke von NBC Europe, mit Software der RapidSolution. heise berichtete am 21. Mai 2002 vom „m-PlayerTV“ und von einer Einschränkung: Die MP3s ließen sich zunächst nur als Dauerstrom aufnehmen, einzelne Titel konnte man vorerst nicht speichern. Rund zwei Monate nach dem Start kam „Megaradio.mp3“ als eigener Kanal mit Titelinfos, am 16. September 2002 der Premium-Dienst: bis zu fünf aktuelle Alben pro Tag verschlüsselt, anfangs für 5 Euro im Monat.
Auch das hielt nicht. Am 17. März 2003 stellte Megaradio den Insolvenzantrag, bekannt wurde er am 20. März. Die Website war ab dem 1. April nicht mehr erreichbar, am 4. April 2003 endete der Sendebetrieb.
Radio easyMP3: der Name, der nie sendete
Und dann kam der Name, den du dir gemerkt hast. Die Website ging am 26. Mai 2003 online, mit unverbindlicher Anmeldung. Geplant war ein 24-Stunden-Programm mit 128 kbit/s und Genre-Sendungen. Zum Preis nennen die Quellen Verschiedenes: 5 Euro im Monat laut Stadtwiki Karlsruhe, 55 Euro im Jahr laut kress im September 2003. Der Start hing zunächst an 10.000 zahlenden Abonnenten, ein neuer Investor sollte diese Bedingung laut kress überflüssig machen. Hinter dem Projekt stand die hypermedia GmbH, geführt von Norbert Böhnke, der schon r@dio.mp3 geleitet hatte, als neuer Partner kam die @net.com GmbH von Michael Oplesch dazu.
WinFuture beschrieb im September 2003, was die Software können sollte: Die Musik kommt in Echtzeit durch die Austastlücke von NBC Europe, ein Dauer-Aufnahmeknopf speichert einzelne Songs als MP3, der Player zeigt die drei nächsten Titel an. Einen Sendestart nennt keine der Quellen. Laut Stadtwiki Karlsruhe und Wikipedia sprang der Hauptinvestor kurzfristig ab, ohne Ersatz scheiterte das Projekt. Böhnke gab dort an, ein Jahr Sendebetrieb koste 1,5 Millionen Euro; mit den im Voraus gesammelten Einzugsermächtigungen wäre nur Sendezeit von 6 bis 12 Uhr möglich gewesen.
Die Alternativen: air2mp3 und der Musik-TV-Recorder
Parallel gab es einen anderen Weg, der keinen eigenen Sender brauchte: den normalen Ton eines Musiksenders aufnehmen und danach in Songs zerlegen. kress beschrieb im September 2003 air2mp3, das freenet.de bewarb. Es war kostenlos, brauchte eine TV-Karte und nahm Radio und Fernsehen auf. Die Aufnahmen ließen sich von Hand in MP3 umwandeln, oder automatisch, wenn eine Schnittliste vorlag, und die gab es damals vor allem für MTV und Viva.
Dasselbe Prinzip verkaufte Data Becker ab 2005 als „MP3 Musik-TV Recorder“. PC-Welt testete ihn am 11. August 2005 und gab die Note 3,9. Das Programm kostete 19,95 Euro, teilte die Aufnahmen per Schnittlisten in Songs auf, kodierte aber standardmäßig in Ogg Vorbis, einen MP3-Encoder enthielt es nicht. Das Handbuch nannte sieben unterstützte TV-Karten, externe USB-Karten wurden im Test nicht erkannt, die Lizenz war auf ein Jahr oder 3000 Songs begrenzt. Als kostenlose Alternative nannte PC-Welt Tobit ClipInc.
Quellen (9) · Stand Oktober 2026
- heise: R@dio.mp3 stellt Sendebetrieb vorläufig ein (19.04.2001)
- heise: Megaradio – MP3s aus der TV-Karte (21.05.2002)
- kress: Neue Gefahr droht der Musikindustrie (24.09.2003)
- WinFuture: Radio easyMP3 – Musikhits über die TV-Karte (02.09.2003)
- PC-Welt: MP3 Musik-TV Recorder, Test (11.08.2005)
- pressetext: Radio.MP3 über Videotext (26.03.2000)
- Stadtwiki Karlsruhe: r@dio.mp3, Megaradio.mp3 und RadioeasyMP3
- Pressemitteilungen der MusicPl@y GmbH (archiviert auf radiomp3.aven.de)
- Wikipedia: R@dio.mp3 (de)
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